Der historische Zeitstrahl – Carl Stülpner und seine Zeit
Links die Lebenschronologie, rechts die Geschichte. Historischer Kontext trägt sein eigenes Datum, ohne den Hauptstrahl zu verschieben.
Carl Stülpner
Perspektive
Historischer Vorlauf
Carl Stülpner
1762 — 1832
Scharfenstein · Erzgebirge
17. Jahrhundert
Leben im Erzgebirge
Unter der Erde lag Silber, darüber war das Leben karg. Lange Winter, harte Arbeit und die Abhängigkeit von der Herrschaft bestimmten den Alltag vieler Familien. Der Berg, der Wald und das Handwerk gaben ihnen, was sie zum Leben brauchten.
Bergbau im Erzgebirge
Silber veränderte das Gebirge.
Seit Jahrhunderten wurde im Erzgebirge nach Silber gesucht. Stollen führten tief in den Berg, Wasser musste abgeleitet und das Erz mit großer körperlicher Arbeit ans Licht gebracht werden.
Der Bergbau brachte Arbeit und Wohlstand in die Region – doch das Leben der einfachen Bergleute blieb hart.
Stollen führten in den Berg. Wasser musste gehalten, Holz verbaut und das Erz von Hand gefördert werden. Die Arbeit war schwer, das Licht knapp, der Tag unter Tage länger als oben.
Silber war Münzmetall und Reichtum der Region. Es nährte Hütten, Handel und Herrschaft. Den Bergleuten selbst blieb davon oft nur der Lohn der Schicht.
Halden, Wasserläufe und der Hunger nach Grubenholz formten die Berge mit. Was oben Wald und Hang war, trug unten die Spuren der Arbeit.
Holz im Erzgebirge
Der Wald gab den Alltag vor.
Holz war der Werkstoff des täglichen Lebens: Wärme, Bauholz, Geräte. In den Werkstätten der Region entstanden Gebrauchsgegenstände – und allmählich auch Dinge zum Spielen.
Die erzgebirgische Holzkunst, wie sie später berühmt wurde, gehört nicht in dieses Jahrhundert. Ihre Formen haben in diesem Zeitstrahl einen eigenen, späteren Ort.
Tische, Schalen, Werkzeugstiele, Schindeln: Holz war nah, formbar und fast überall nötig. Metall blieb teuer; Holz trug den Alltag.
Der Wald lieferte Brennholz, Bauholz und Grubenholz. Wer ihn nutzen durfte, und zu welchen Bedingungen, entschied oft die Herrschaft – nicht nur der Bedarf der Familien.
Einfache handwerkliche Arbeit gehörte zum Haus. Gebrauchsgegenstände und, in manchen Orten, erste Spielwaren entstanden neben der übrigen Arbeit – noch ohne die später bekannte weihnachtliche Formensprache.
Nussknacker, Räuchermann und Weihnachtspyramide gehören in spätere Jahrhunderte. Dieser Zeitstrahl wird sie dort erzählen, wo ihre belegte Form beginnt – nicht hier, im 17. Jahrhundert.
Licht und Winter
Die Nächte waren lang.
Die Winter im Gebirge waren dunkel. Licht musste erarbeitet werden: im Haus, auf den Wegen, in den Stollen.
Was später zur weihnachtlichen Lichtkultur des Erzgebirges wurde, entsteht in anderen Jahrhunderten. Hier geht es um den Alltag vor dieser Form.
Schnee lag lange. Tage waren kurz, Wege unsicher. Der Winter bestimmte, wann gearbeitet, wann geheizt und wann das Haus geschlossen blieb.
Kienspan, Docht und Grubenlicht waren knapp und teuer. Licht war Arbeit: wer es hatte, hatte es gemacht oder erkauft.
Schwibbogen, Räuchermann und Weihnachtspyramide sind jünger als diese Station. Sie werden in diesem Zeitstrahl an ihrem eigenen Ort stehen – nicht als Kulisse des 17. Jahrhunderts.
Carl wird geboren.
30. September · Scharfenstein
In diesem Dorf fängt sein Leben an.
Carl ist das jüngste von acht Kindern.
Sein Vater heißt Johann.
Seine Mutter heißt Marie Sophie.
Historisch belegt
AutorJohannes Pietzonka
Die Familie lebt auf einem Häusleranwesen in Scharfenstein.
Historisch belegt
AutorJohannes Pietzonka
Der Vater arbeitet an der Schlossmühle.
Historisch belegt
AutorJohannes Pietzonka
Bandeintritt
01
Band 01
Der kleine Carl im Rauch der Husaren
Erzählzeitraum
·
1762–1779
Eingereicht für
Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis · Deutscher Kinder- und Jugendbuchpreis · SüdStorch Kinderbuchpreis
Hier beginnt Carls Geschichte – in einer Welt, in der Not, Gefahr und Zusammenhalt schon früh zeigen, was Menschen füreinander bedeuten.
Im Buch
Scharfenstein.
Kleine Häuser, dicht an den Hang geschmiegt. Ein Dorf am Fluss, zwischen Felsenwänden und Tannen. Hoch über allem wacht das Schloss auf seinem Felsen über das Tal.
Das Schloss gehört den Fürsten.
Holz, Wild – sogar Beeren im Wald – alles ist verboten.
Nur wer zahlt, darf nehmen.
Die Menschen haben wenig.
Aber was sie haben, teilen sie.
RUMS!
Und da standen sie – die Schwarzen Husaren.
Schwarze Mäntel. Blanke Stiefel. Groß und finster.
Ihre Stimmen klangen hart,
als kämen sie von weit her:
Frau! Zeig uns den Weg nach Zschopau!
Kinder ·
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Carls Welt für dich.
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Band 01
Bevor Carl geboren wurde.
Im Erzgebirge war da schon eine Menge passiert.
Vor sehr langer Zeit
Kälte formt das Land
Vor sehr langer Zeit war es auch im Erzgebirge bitterkalt. Große Gletscher kamen bis in die Nähe des Erzgebirges. Frost, Wind und Wasser formten die Landschaft.
12. Jahrhundert
Menschen kommen ins Erzgebirge
Menschen kommen ins Erzgebirge. Sie roden Wald, bauen Häuser und gründen neue Dörfer.
1168
Im Berg glänzt Silber
Historisch belegt
1168 wurde bei Christiansdorf, dem späteren Freiberg, Silber gefunden. Erz ist Gestein, aus dem man Metall gewinnen kann. Bergleute, Handwerker und Händler kamen in die Region.
1762
Carl wird geboren
Historisch belegt
Carl wird in Scharfenstein geboren. Er ist das jüngste von acht Kindern. Sein Vater heißt Johann, seine Mutter Marie Sophie.
1762
Die Husaren kommen
Überliefert
Man erzählt von schwarzen Husaren in der Stunde seiner Geburt. Carls Mutter zeigt ihnen den Weg nach Zschopau. Der kleine Carl bleibt in der verrauchten Stube zurück und bekommt kaum Luft.
1763
Der Krieg endet
1763 endet der Siebenjährige Krieg. Die schwarzen Husaren aus Carls Geburtsgeschichte gehören in diese Kriegszeit.
1769
Ein Komet am Himmel
In Carls Geschichte steht 1769 ein Komet am Himmel. Viele Menschen erschraken bei so einem Licht. Sie hielten es oft für ein schlechtes Zeichen.
Bandaustritt
Brücke zum nächsten Band
Die Preise steigen.
Getreide und Vorräte werden knapp. Die Teuerung zieht durch Sachsen und das Erzgebirge.
Die Not verschärft sich.
Teuerung und Hunger erreichen die Region deutlich. Carl ist ungefähr neun Jahre alt.
Bandeintritt
02
Band 02
Winter der Teuerung – Carl und der Schweinetrog-Pirat
Erzählzeitraum
·
1770–1772
Eingereicht für
Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis · Deutscher Kinder- und Jugendbuchpreis
Nach dem Winter fehlt es den Menschen im Erzgebirge weiterhin an allem. Carl erlebt die Not und beginnt zu helfen.
Im Buch
Frühling.
Bäume werden grün, und auf den Wiesen blühen erste Blumen.
Doch über dem Feld zieht eine dunkle Wolke auf.
Der Wind wird stark.
Hagel schlägt den Menschen ins Gesicht.
Was eben noch wachsen wollte, knickt um und ist verloren.
Mitten im Feld stehen die Tiere.
Sie sind rund und satt.
Sie schmatzen und fressen das Wenige, das noch da ist.
Die Bauern arbeiten weiter.
Kinder helfen, obwohl allen kalt ist.
Niemand vertreibt die Tiere.
Niemand hat den Mut, etwas zu tun.
Carl schaut auf das Feld. Strups schnaubt leise:
Dos schlache Watter hert net uff … Wuff.
Carl sagt ruhig:
Nein. Das schlechte Wetter will nicht aufhören. Seit Monaten bringt es Unheil.
Das Wild gehört dem Fürsten. Niemand darf es vertreiben.
Ein Kind sitzt am Rand des Weges.
Es wirkt schwach. Carl bleibt stehen.
Er kniet sich hin.
Carl holt eine kleine Flasche hervor.
Im Wasser liegt eine Silbermünze.
So hat man es früher gemacht, sagt Carl leise. Silber hilft, wenn jemand krank ist.
Das Kind trinkt langsam. Carl schaut liebevoll. Er wartet. Ganz ruhig.
Der Atem wird gleichmäßiger. Strups sitzt daneben. Ganz nah.
Das Mädchen trinkt noch einen Schluck. Dann stehen sie wieder auf.
Der Weg liegt vor ihnen.
Kinder ·
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Band 02
Wenn das Wetter nicht mehr mitspielt.
Carl erlebt Jahre, in denen fast alles schiefgeht. Zu viel Regen. Schnee zur falschen Zeit. Schlechte Ernten. Immer weniger Essen. Das geschieht nicht an einem einzigen Tag. Die Not wächst über Monate und Jahre.
1770
Wenn das Wetter nicht mehr mitspielt
Historisch belegt
Im Erzgebirge beginnen Jahre, in denen das Wetter nicht mehr so mitspielt, wie die Menschen es brauchen. Im Januar blitzt und donnert es. Die Zschopau führt viel Wasser. Im März fällt Schnee, und die Wintersaat nimmt Schaden. Der Sommer bleibt nass. Die Ernte fällt schlecht aus.
1770
Warum ist schlechtes Wetter so schlimm?
Historisch belegt
Heute kommt Essen aus vielen Regionen und Ländern. Damals lebten viele Familien unmittelbar von dem, was in ihrer Umgebung wuchs. Wenn Getreide nicht wuchs, fehlte Mehl. Ohne Mehl wurde Brot knapp. Wenn mehrere Ernten hintereinander schlecht waren, wurde aus schlechtem Wetter eine echte Gefahr. Getreide sind Pflanzen wie Roggen, Gerste oder Hafer. Aus ihren Körnern macht man unter anderem Mehl und Brei.
1770
Wenn Brot plötzlich fast unbezahlbar wird
Historisch belegt
Brot war kein kleiner Snack. Für viele Menschen gehörte es zu den wichtigsten Lebensmitteln. Die Getreidepreise stiegen stark. Auch Brot wurde deutlich teurer. Ein höherer Brotpreis konnte für eine arme Familie bedeuten, dass das Geld nicht mehr für alle reichte.
1772
Was isst man, wenn fast nichts mehr da ist?
Historisch belegt
Menschen suchten nach allem, was noch essbar war. Gras, Baumrinde und Wurzeln wurden zu Notnahrung. Das war keine besondere Speise. Es zeigt, wie groß die Not geworden war.
1772
Warum verlassen Menschen ihre Heimat?
Historisch belegt
Wenn es zu Hause kaum noch Essen und Arbeit gibt, suchen Menschen anderswo nach einer Möglichkeit zu leben. Während der Hungerjahre verließen viele ihre Heimat. Familien konnten dabei auseinandergerissen werden.
Im Buch
Carl kann das Wetter nicht ändern
Künstlerisch verdichtet
Carl kann Regen, Schnee und Hunger nicht stoppen. Aber er kann sehen, wenn jemand Hilfe braucht. Genau darum geht es in vielen Szenen des Buches: nicht wegsehen. Die konkreten Begegnungen, Dialoge und Hilfsszenen des Kinderbuches sind erzählerisch gestaltet – nicht als einzelne historische Belege gemeint.
Zum Schluss
Was bleibt
Manchmal kann man ein großes Problem nicht allein lösen. Aber man kann entscheiden, wie man mit anderen Menschen umgeht. Strups dazu: Helfen is besser als wegkieken … Wuff.
Bandaustritt
Brücke zum nächsten Band
Die Hungerjahre hinterlassen tiefe Spuren.
Die schlimmste Not beginnt nachzulassen. Doch viele Familien im Erzgebirge haben Angehörige, Besitz und ihre wirtschaftliche Sicherheit verloren.
Carl verliert seinen Vater.
Pietzonka hält es für sehr wahrscheinlich, dass Johann Christoph Stülpner während der Hungersnot starb.
Nicht als gesichertes Todesdatum darstellen. Pietzonka formuliert dies ausdrücklich als sehr wahrscheinliche Schlussfolgerung.